theaterprocedere  Projekte  Termine  Kontakt
"Mahlen sie in ihrer Kaffeemühle
auch TNT oder wollen sie
nur ihren Nachbarn vergiften?"

 

.

 


 

BOMBENLEGEN/KÜCHENLIEGEN
+++ eine wg +++ zwei stücke +++ zwei zeiten +++ zwei revolten +++ ein essen +++

 

RAF - das ist für uns heute die Vorstellung von Gewalt und Konsequenz, eine Projektionsfläche unserer Ohnmacht zu handeln.
RAF - das ist für uns heute Erinnerung, der Mythos von einem freien Menschen, der beschließt ein eigenes Drehbuch für sein Leben zu schreiben und sein Leben so zu realisieren, als sei es von ihm inszeniert.
RAF – das ist eine verbrecherische Organisation von Geistesgestörten.
RAF - das ist ein Spektakel wie für uns heute gemacht, eine große Show, mit der wir unserer Selbstauslöschung als Subjekt der Geschichte wie des Theaters applaudieren.

 

 

KURZBESCHREIBUNG

2006 sitzen wir als politische Autisten in der Küche der Wohngemeinschaft und leiden an der ewigen Wiederkehr des Gleichen.
Die Globalisierungskritiker als letzte Widerständler wirken wie Don Quichottes im Kampf gegen die einzig denkbare Weltordnung. Die anderen sehen sich die Welt im Fernsehen an, ob in Hanoi, St. Petersburg oder Wien. Und was bleibt nach den Jahren übrig? Wenig. Vielleicht auch nichts. Vielleicht auch nur, dass wir hier bleiben. Bei uns. Wir machen keine Politik. Wir machen gar nichts. Gar nichts machen ist das einzige, was man tun kann.

Wir von theaterprocedere setzen uns mit dem Bild, das wir uns heute von der RAF machen, auseinander, dem bewaffneten Kampf gegen das System, dem Amoklauf, dem Scheitern. Was verrät es uns über uns, die wir oft genug morgens mit Wut im Bauch aufstehen, um abends festzustellen, dass das Bier wieder einmal allzu gut geschmeckt hat?

von theaterprocedere

BOMBENLEGEN und KÜCHENLIEGEN

Beziehungsdramen von Menschen um die Dreißig vor 40 Jahren und heute.
Das Ziel dieser Gegenüberstellung ist es, die verschiedenen Selbst-, Fremd- und Weltwahrnehmungen, das Verhältnis von Politisierung und Entpolitisierung zwischenmenschlicher Beziehungen, den Umgang mit Träumen, Projektionen und Revolutionen, die grundsätzlich verschiedene Dynamik: exzentrisch und konzentrisch, ernst und ironisch, selbstgerecht und distanziert, gegeneinander zu stellen.

Dieser gegenläufigen Spannung wird mit der Arbeit am Text entsprochen. Während wir für BOMBENLEGEN mit vorhandenen, nicht für das Theater geschriebenen Texten experimentieren, ist KÜCHENLIEGEN ein Dramen-Text, der in gekürzter Form im Rahmen
des Wettbewerbs „Drama X“ in der Regie von Paola Aguiliera im April 2004 in Wien uraufgeführt wurde. Was von der Kritik als „gelungenes Kammerspiel“ gesehen wurde, soll in Konfrontation mit einer Textcollage aus Bernward Vespers Roman "Die Reise", den Gefängniskassibern von Ensslin und Baader, Manifesten und anderen Überlieferungen aus dem Umfeld der RAF sowie aus Melvilles Roman "Moby Dick" zu einer traurigen Komödie werden. Während es früher hieß „lieber wütend als traurig sein“, wird heute gefragt: „Würfeln wir eine Runde?“ 

 

DARSTELLER 

Bernward Vesper/Peter

Gudrun Ensslin/Katharina

Andreas Baader/Zoran

 

 

Jakub Kavin

Eszter Hollosi

Florian Schmidt

 

 

DIE PROTAGONISTEN

Andreas Baader, der Verführer und Grenzgänger, der in dem, was für andere noch Spiel ist, Ernst sieht; der sich gerne in der Rolle Marlon Brandos betrachtet, dem die Frauen zu Füßen liegen, wird zu Zoran, der sich nach Haus, Auto und Familie sehnt und verzweifelt ist, dass alles nicht so gekommen ist, wie er sich das früher vorgestellt hat.

Bernward Vesper, der ewige Dritte; dessen Leben und Schaffen geprägt ist von der Auseinandersetzung mit seinem Nazi-Vater; unzufrieden und grandiosen Projekten nachjagend, wird zu Peter, der zufrieden wäre mit einer großen Badewanne und der Möglichkeit, Antilopen zu schießen.

Gudrun Ensslin, die protestantische Pfarrerstochter mit dem Gerechtigkeitssinn, die Ideologin, überzeugt davon, dass ein Gedanke nur dann etwas wert ist, wenn sich aus ihm praktische Konsequenzen ergeben, wird zu Katharina, die mit 30 den Idealen der Jugend nachtrauert und aus Angst vor Enttäuschungen am liebsten in der Küche liegt und würfelt.

 

AUFFÜHRUNG

Das Theaterprojekt wird vorbereitet werden mit einer Pre-Party am 11. Oktober im FLUC am Praterstern. Die Designerin LILA www.lila.cx entwirft die Garderobe für das Stück sowie die Kleidung, die im FLUC im Rahmen von kitchen terrorism on the catwalk präsentiert wird.

vom 19. bis 29. Oktober 2006
täglich (außer Montag) um 20 Uhr
RAGNARHOF www.ragnarhof.at
1160 Wien, Grundsteingasse 12

Karten: 15,-/10,-

PRE-PARTY@FLUC www.fluc.at Praterstern
kitchen terrorism on the catwalk
by theaterprocedere und lila
- DJs Baader, Vesper, Ensslin presenting their RAF-Generation ab 21 Uhr
- Fashion performance um 22 Uhr
Mittwoch, 11.10.2006
Eintritt frei

 

 

 

-> Aufführung

-> Presse/Fotos

„Die Täter, die gehandelt haben, gleich wie falsch, sind die Herausforderung für jenes Leben, das sich richtig leben will.“
Rainald Goetz